Dein Haus gehört der Bank. Und du gleich mit.

In Österreich gibt es einen Moment, in dem aus jungen Menschen Häuslbauer werden. Man erkennt ihn daran, dass sie beim Abendessen plötzlich von Wärmepumpen reden und samstags nicht mehr erreichbar sind, weil sie im Baumarkt stehen. Sie wirken dabei sehr erwachsen und ein bisschen müde.
Und wenn du dann sagst, dass du lieber mietest, kommt er. Der Satz. „Miete ist doch rausgeschmissenes Geld.“
Die Rechnung, die beim Familienessen keiner aufmacht
Gut, rechnen wir. Ein Beispiel mit runden Zahlen: 500.000 Euro Kredit, 3,5 Prozent Fixzinsen, 30 Jahre Laufzeit.
| Beispielrechnung | Betrag |
|---|---|
| Monatliche Rate | rund 2.245 € |
| Insgesamt zurückgezahlt | rund 808.000 € |
| Davon nur Zinsen | rund 308.000 € |
Dazu kommen Nebenkosten, Versicherung und das Dach, das in 25 Jahren genau dann neu gehört, wenn du dachtest, jetzt sei Ruhe. Das alles ist genauso weg wie Miete. Es hat nur den besseren Ruf.
Fairerweise: Am Ende gehört dir etwas, und bei der Miete nicht. Ein Haus kann sich absolut rechnen. Der Punkt ist nur, dass es die wenigsten je durchgerechnet haben, bevor sie den Satz weitersagen.
Was nicht in der Tabelle steht
Die Rate ist nicht das Teure. Teuer ist, was sie mit deinen Entscheidungen macht.
Der Job, der dich krank macht? Lässt sich schlecht kündigen, wenn am Ersten 2.245 Euro fällig sind. Das Angebot in Lissabon? Schön, aber wer mäht dann den Rasen? Die Beziehung, die seit drei Jahren nur noch aus Terminabsprachen besteht? Ihr habt ja gerade erst die Küche abbezahlt.
Man nennt es Eigenheim. Eigen ist daran vor allem die Rate.
Mieten heißt, dass du in drei Monaten woanders sein könntest. Das nutzen die wenigsten. Aber allein die Möglichkeit verändert, wie du dich morgens im Spiegel ansiehst.
Das Reifezeugnis aus Ziegeln
Das Haus ist bei uns ja selten nur ein Haus. Es ist der Beweis, dass aus dir etwas geworden ist. „Die haben gebaut“ sagt man im selben Ton wie „die sind angekommen“.
Angekommen, wo eigentlich? In einer Siedlung, in der alle dieselben Thujen haben und dieselbe Frage stellen: Und ihr, wann baut ihr?
Drei Fragen, bevor du unterschreibst
- Willst du in zwanzig Jahren wirklich genau hier wohnen, mit genau dieser Aussicht und dieser Nachbarin?
- Was passiert, wenn der Job wegfällt? Oder die Person, die den Kredit mitunterschrieben hat?
- Willst du das Haus? Oder willst du, dass die Fragerei aufhört?
Wenn du alle drei ehrlich beantwortet hast und immer noch willst: Bau. Ohne Ironie. Es gibt wenig Schöneres als einen Ort, den man wirklich will, und ich komme gern zur Gleichenfeier.
Aber wenn du nur bauen willst, damit endlich Ruhe ist, dann habe ich schlechte Nachrichten. Danach fragen sie nach den Kindern.
Keine Finanzberatung. Nur eine Meinung mit Taschenrechner.
Katrin